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Archiv der Kategorie LED-Beleuchtung

Auf Treue achten … auch bei LED-Lampen!

Schockierend: Da haben Sie gerade Ihr altes “Glühobst” aus den Fassungen gedreht und neue “Energiesparlampen” oder LED-Leuchtmittel ‘reingeschraubt - und plötzlich haben Ihre Mitbewohner äußerst ungesund erscheinende Gesichtsfarben. Im schlimmsten Fall sehen sie sogar aus wie wandelnde Leichen. Schuld daran ist nicht unbedingt die Farbtemperatur der neuen Lampen, sondern eher die “Farbtreue”, die mit dem “allgemeinen Farbwiedergabeindex” Ra oder mit “CRI” bewertet wird. Bei anständigen LED-Leuchten steht dieser Wert erstens auf der Packung und ist zweitens nicht hemmungslos gelogen.

Philips DimTone Göteborg
Der Frühstücksraum eines Hotels im schwedischen Göteborg - ausgestattet mit 130 dimmbaren Philips-GU10-”Master LED DimTone”-Spots (Promotion-Video). Der Farbwiedergabeindex liegt bei über 80, damit das Rührei zum Frühstück auch wie Rührei aussieht. (Foto: Philips-Presse)

Was war das Leben früher noch einfach: Wenn eine altersschwache “Glühbirne” explodierte, dann fluchte man kurz, fegte die Scherben auf, drehte den kümmerlichen Rest aus der Fassung und warf das Ganze in den Mülleimer. Dann holte man eine neue Lampe aus dem Schrank und schraubte sie wieder ‘rein - fertig! Inzwischen ist das wesentlich komplizierter, weil nach und nach die traditionellen Leuchtmittel aus dem Handel genommen wurden und werden.

Bei manchen älteren “Energiesparlampen” mit Leuchtstofftechnik kann beim Bruch des Glaskörpers giftiges Quecksilber ausdampfen, neue nerven häufig durch lange Anlaufzeiten und ungemütliche Farben. LED-Lampen sind zwar sofort nach dem Einschalten “voll da” und sparen bis zu 80% Strom, leuchten aber oft subjektiv dunkler und “kälter” als herkömmliche Glüh- und Halogenlampen, kosten trotzdem um Größenordnungen mehr, sind meistens nicht dimmbar und haben manchmal noch “Kinderkrankheiten” wie vorzeitige Ausfallerscheinungen.

Dazu kommen noch Serienstreuungen und markentypische Unterschiede, die man so von “Glühbirnen” nicht kannte: Fast keine LED-Lampe leuchtet exakt so wie eine andere aus der gleichen Baureihe des selben Herstellers. Komplett unmöglich ist ein homogener Mix von verschiedenen Markenleuchtmitteln in einer Leuchte (etwa einem Zwillings-Downlight); selbst wenn sie identische technische Daten hätten.

Im Gegensatz zu früher bleibt es dem Konsumenten leider nicht erspart, sich beim Umstieg auf stromsparende Beleuchtung sehr genau mit diesem Daten zu beschäftigen. Watt-Zahlen sind nämlich bei LED-Lampen nur ein sehr kleiner Teil der Wahrheit - viel wichtiger dagegen Werte wie “Lichtstrom” (in Lumen), Effizienz (Lumen pro Watt), “Farbtemperatur” (in Kelvin) und “Farbwiedergabeindex”. Vor allem die beiden letzten Daten - wahrheitsgemäße Angabe vorausgesetzt - entscheiden über die Qualität und Einsatzmöglichkeiten einer Lampe.

Farbtemperaturskala
Von “brühwarm” bis “eiskalt”: Die Farbtemperaturskala. (Grafik: Holek@Wikimedia Commons, Lizenz: CC by-sa 2.5)

Die Farben über den entsprechenden Kelvin-Werten der Skala machen schon mal deutlich, dass es einen elementaren Unterschied zwischen einer traditionellen Glühlampe (ca. 2500 bis 2700 K) und etwa einem “kalt-weißen” LED-Strahler mit rund 5000 Kelvin gibt. Dazu kommt aber noch, dass die verschiedenen Leuchtmittel selbst bei gleichen Farbtemperaturen unterschiedliche Spektralverteilungen haben können. Das heißt: Die Helligkeit wird nicht gleichmäßig über die gesamte Farbpalette abgegeben. So ist zum Beispiel eine Überbetonung von Blautönen möglich, die Lampe könnte vor allem im Grünbereich fleißig sein oder sie gibt bevorzugt rot-gelbes Licht ab (das kennen Sie schon vom “Glühobst” her).

Wie sich das auf die beleuchteten Objekte auswirkt, können Sie bei diesem Foto-Quartett sehen: Ich habe das 1:12-Modell einer Ducati 916 Biposto (hatte ich mal im 1:1-Original) auf einem weißen Papier unter vier verschiedene LED-Lichtquellen gestellt und ohne Farbkorrektur fotografiert (für größere Darstellung einfach anklicken):

Ducati-LED-Kleeblatt klein

Vier Mal rot und doch jedes Mal etwas anders. Die LED-Leuchten von links oben im Uhrzeigersinn: Osram-Unterbauleiste “Luminestra eco” (7 Watt, 4000 K), Aldi-”Casalux”-Schraubleuchte (4,9 Watt, ca. 3000 K), 2 x Osram “Superstar PAR16 35° Advanced”, GU10, dimmbar (5,5 Watt, 3000 K), Philips “Ledino”-Strahlerleiste der 1. Baureihe (3 x 7,5 Watt, 3100 K). Auf die Helligkeitsunterschiede kommt’s hier nicht an, die resultieren auch aus unterschiedlichen Abständen und Winkeln zwischen Leuchte und Objekt - es geht allein um die Wiedergabe der Farben.

Ra-TabelleSie sehen, dass es selbst bei gleichen Farbtemperaturen deutliche Unterschiede gibt; mit mehr oder weniger starken Verschiebungen zu gelb (Prädikat “wohnlich”, Osram “Superstar”, Ra 80), blau (”neutrales Arbeitslicht”, Osram “Luminestra”, Ra ≥80 ) oder zu grün-gelb (”ungesund”, Aldi “Casalux”, Ra <70). Weitgehend neutral leuchten die “Ledino”-Strahler (Ra/CRI 85-90). Und das sind nur vier unserer rund 20 verschiedenen LED-Lampentypen im Haus; ich könnte diese Fotobeispiele fast beliebig fortsetzen und jedes Mal kämen - zumindest in Nuancen - andere Farben ‘raus.

Vermeiden könnte man das theoretisch mit Lampen, die ihre Helligkeit  - so wie das Tageslicht - ziemlich gleichmäßig über das gesamte Farbspektrum hinweg abgeben. Dann würden die Farben der angestrahlten Objekte immer naturgetreu erscheinen. In Zahlen gefasst hat man das offiziell mit dem “allgemeinen Farbwiedergabeindex” Ra, der bis zum optimalen Wert “100″ reicht (links eine Tabelle aus dem verlinkten Wikipedia-Artikel mit ausgewählten Beispielen).

Aktuelle und einigermaßen ordentliche LED-Lampen schaffen meist zwischen 70 und 90, ich würde aber zu keinem Leuchtmittel mit einem Wert unter 80 raten. Seriöse Hersteller und Händler messen das nachvollziehbar und schreiben es auf die Verpackung oder zumindest auf’s Datenblatt, unseriöse schreiben nichts oder phantasieren eine absurd hohe Zahl zusammen, die mit der Realität nichts zu tun hat.

Als Maßstab für die Messung dienen primär acht Pastellfarben, die möglichst korrekt wiedergegeben werden müssen. Das reicht dann immerhin für den Ra-Wert, ist aber vor allem bei der Bewertung von LED-Lampen noch nicht das Optimum. Der komplette Farbwiedergabeindex (nach der englischen Bezeichnung auch als CRI abgekürzt) kann nämlich erst mit 14 Referenzfarben ermittelt werden - und hier sind auch die richtig “fetten” und problematischen dabei:

CRI-Testfarben
(Quelle: Wikimedia Commons, gemeinfrei)

Jetzt wissen Sie auch, warum ich ein rotes Ducati-Modell als Testobjekt benutzt habe: Es kommt der Nummer 9 (”Rot gesättigt”) ziemlich nahe, die - mehr noch als die gedeckten Farben in der linken Spalte - Stärken und Schwächen einer LED-Leuchte gnadenlos offenlegt. Eine hohe Hürde stellt auch die Nummer 13 (”Rosa”) dar. Die komplexe Mischfarbe der menschlichen Haut lässt sich beispielsweise durch TV-Kameras nur nach umfangreichen Schmink-Tricks am Objekt einigermaßen natürlich wiedergeben (wobei die so traktierten Hautstellen in der Realität völlig unnatürlich aussehen).

Mindestens genau so trickreich müssen Leuchtdioden bearbeitet werden, die weißes Licht erzeugen sollen. Schlamperei oder Geiz bei Entwicklung und Produktion können da schnell mal zu seltsamen Farbabweichungen führen. Wenn mit so einer Schrott-LED (CRI-Wert unter 70) das Gesicht eines gesunden Menschen angestrahlt wird, kann er plötzlich sterbenskrank aussehen und man greift erschreckt zum Telefon, um den Notarzt zu alarmieren. In weniger schlimmen Fällen gilt solches Licht zumindest als “frauenfeindlich” - Sie kennen das vielleicht schon von manchen Leuchtstoffröhren.

Das mag auch erklären, warum es meist einen proportionalen Zusammenhang zwischen der echten Farbtreue (und nicht unbedingt der Helligkeit) einer LED-Lampe und ihrem Preis gibt. Qualität kostet eben Geld und häufig geht konzeptbedingt eine angenehme Farbtemperatur noch dazu auf Kosten der Energieeffizienz (Lumen pro Watt). Es ist halt keine große Kunst, eine LED zu entwickeln, die zwar tierisch hell ist, aber leider wegen ihrer schlechten Spektralverteilung sprichwörtlich Augenkrebs verursacht oder alle Angeleuchteten wie wandelnde Leichen aussehen lässt.

Eine ganz hohe und ziemlich neue Kunst ist es dagegen, das Farbverhalten von dimmbaren LEDs an das von Halogen- oder Glühlampen anzupassen. Von denen kennen wir ja die Eigenart, dass sie ihre Farbtemperatur (und Spektralverteilung) beim Herunterdimmen verändern - der Kelvin-Wert sinkt, sie werden “wärmer”. Bei einer gedimmten LED-Lampe tut sich da weitgehend nichts, sie wird nur dunkler.

Seit Ende 2011 gibt es mit der Philips-“DimTone”-Technologie aber auch dafür eine “Retrofit”-Lösung: Hier wird die Farbtemperatur der “Master”-LED-Lampen beim Dimmen stufenlos von 2700 auf 2200 Kelvin reduziert - und schon ist das alte “Glühlampen-Feeling” wieder da (siehe Bild ganz oben im Beitrag). Kostet allerdings so um die 35 Euro pro Spot.

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Lidl-LED-Strahler: Nichts Neues unter der Decke

Mit einer vierflammigen LED-Deckenleuchte will uns der Heilbronner Discounter “Lidl” ab Rosenmontag (20. Februar) erhellen - zu sehen in der aktuellen Werbebeilage Nr. 08/2012:

Lidl-Livarno-LED-Deckenleuchte

Die gute Nachricht: Die Inflationsrate bei “Livarno Lux”-Produkten liegt seit Oktober 2011 offenbar bei null Prozent, denn schon damals gab es bei “Lidl” solche Strahler - mit etwas anderem Design, aber zum gleichen Preis. Die schlechte Nachricht: “Lidl” hat seither nicht begriffen, dass man der Kundschaft schon ein paar mehr Informationen bieten sollte als das Standardgeschwafel “sehr helle, langlebige und energiesparende LEDs”.

Wie üblich erfahren Sie sonst fast nichts über die wichtigsten Aspekte einer LED-Leuchte:

  • Wie hell sind die Spots (die Lumen-Angabe ist eigentlich vorgeschrieben)?
  • Welche Farbtemperatur haben die LEDs?
  • Wieviel Strom braucht die gesamte Deckenleuchte?
  • Welchen Abstrahlwinkel haben die Spots?

Die Vermutung liegt nahe, dass die hier verwendete Technik identisch ist mit der von zwei älteren “Livarno Lux”-Sonderangeboten, die ich bereits unter die Lupe genommen hatte. In einem Fall hatte “Lidl” sogar einige konkrete Angaben nachgeliefert.

Kurz wiederholt: 4 Watt Leistungsaufnahme pro Strahler (1 W pro Einzel-LED plus 1 W Verlustleistung durch Trafo und Gleichrichter im Fuß des Spots), rund 3100 Kelvin Farbtemperatur, etwa 100 Lumen Lichtstrom pro Spot, etwa 40 Grad Abstrahlwinkel; also recht enger Lichtkegel. Die gesamte Vierer-Deckenleuchte verbraucht brutto rund 16 Watt, bietet ein “warm-weißes” Licht (das aber eher nach “Energiesparlampe” aussieht) und liefert mit insgesamt 400 Lumen eine Helligkeit, die knapp einem 35-Watt-Halogenspot entspricht. “Sehr hell” ist für mich was anderes.

Die “Lidl”-Prospektangabe “für punktgenaue Ausleuchtung und gezielte Lichtakzente” ist also nicht gelogen - aber nur, wenn Sie keine hohen Ansprüche an die Reichweite der Strahler sowie Größe und Helligkeit der ausgeleuchteten Fläche stellen. Mit schlappen 25 Lumen pro Watt liegt die Gesamteffizienz der Deckenleuchte erheblich unter dem aktuellen Serienstandard von ca. 50-75 lm/W; das relativiert auch den günstigen Preis und verdient deshalb auf meiner LED-Bewertungsskala von 0 bis 5 Sternen leider

keinen Stern.

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